Alle guten Dinge sind drei

Das dritte TONALi-Tour Schulkonzert mit Kiveli Dörken
oder
Zum guten Schluss im Wasserschloss

Kiveli Dörken bei TONALi-Tour im Wasserschloss Dornum, Foto: Karlheinz Krämer

Kiveli Dörken bei TONALi-Tour im Wasserschloss Dornum, Foto: Karlheinz Krämer

Ein schöner Frühlingstag. Ein weißes Wasserschloss zwischen grünen Bäumen und unter blauem Himmel. Ein hübsch renovierter Rittersaal. Ein frischgestimmter Flügel. Eine junge, sympathische Pianistin. Einhundertvierzig Schüler. Ungeahnte Voraussetzungen für ein TONALi-Tour Schulkonzert.

Aber genau die erwartete Kiveli Dörken am Freitagvormittag in der Realschule im barocken Wasserschloss in Dornum. Alle 140 Schülerinnen und Schüler waren gekommen, um die fast 21-jährige Pianistin in ihrer ehrwürdigen Aula zu erleben. Auch dieses Konzert wurde eigenständig vom 13-köpfigen Schülermanager-Team um Hauke Piper organisiert. Allerdings gab es krankheitsbedingt erschwerte Bedingungen, die von den Jugendlichen im Alter zwischen vierzehn und sechzehn aber super gemeistert haben. Schmunzeln musste ich, als Hauke Piper berichtete, dass er Kiveli vom Bahnhof abgeholt und mit nach Hause genommen habe, nicht ohne sofort nachzuschieben, dass sich auch eine Gastfamilie hätte finden lassen.
Ursprünglich waren zwei Durchgänge mit je 70 Teilnehmenden geplant. Nun wurden alle in den Rittersaal gequetscht (ich fand es nicht schlimm). Vermutlich hatte man Kiveli schonen wollen. Das wäre aber nicht nötig gewesen. Sie hatte sichtbar Freude an ihrem Einsatz und auch der Nähe zum Publikum.

Zwei junge Damen moderierten sie an und verzogen sich dann schnell wieder auf ihre Plätze. Kiveli erzählte zunächst ein wenig von sich und ihrem Beruf als Musikerin und ermunterte die Schüler, ihr Fragen zu stellen. Es gebe dabei kein richtig oder falsch. Ich war beeindruckt, dass sie sich in einem kurzen Statement für die Meinungsfreiheit einsetzte, weil diese unmittelbar zur Kunst und zur Musik gehöre. Und sie hat ja vollkommen Recht: Vieles lässt sich durch diese beiden Formen ausdrücken, und es gibt viele Deutungsmöglichkeiten.

Was war eigentlich der Chopin für Typ? Kiveli Dörken bringt den Schülern den Komponisten näher

Was war eigentlich der Chopin für Typ? Kiveli Dörken bringt den Schülern den Komponisten näher

Mit einem guten Gespür für ihr Publikum erzählte sie, dass sich die meisten Musiker vor einem Konzert aufwärmen würden, ähnlich wie Sportler vor ihrem Training. Pianisten machten dieses mit Etüden. Die können manchmal eher langweilig daherkommen. Chopin sei derjenige Komponist gewesen, der diese Gattung salonfähig gemacht habe und seine Etüden seien dementsprechend nicht langweilig, sondern superschön. Sprach es und setzte es um. Es folgte ein Einblick in Chopins Lebensgeschichte, dass er von seinem Arzt quasi nach Mallorca zur Kur geschickt worden sei, dort aber Monate lang in einem zugigen Kloster, das für das vorherrschende ungewöhnlich kalte und nasse Wetter nicht gerüstet war, festsaß. Das einzig Gute daran waren vermutlich die 24 Etüden, die dort entstanden. Kiveli hatte drei davon ausgesucht und schon vorher angekündigt, dass sie von den Jugendlichen im Anschluss wissen möchte, welche Gefühle diese ihrer Meinung nach ausdrücken. Das klappte gut, obwohl die Pianistin es ihnen ein wenig aus der Nase ziehen musste. Wenn ich in dem Alter mich hätte auf diese Weise mit Chopin beschäftigen können, wäre vermutlich einiges bei mir hängen geblieben. So hörte auch ich noch einiges Neues, das mich durch Kivelis Vermittlungsansatz zu berühren vermochte. Nach der angekündigten Regentropfen-Etüde mit dem einen speziellen Ton, der sie durchzieht, (es soll im Kloster durchgeregnet haben), waren wieder die Schüler dran. Sie sollten erraten, welchen Spitznamen die nachfolgende Etüde begleiten könnte. Das war einfach nur spannend und witzig, welche Assoziationen da kamen. „Das hört sich an wie eine Nudel!“, war beispielsweise eine Antwort. Alternativ waren Spinnen im Angebot, an die Kiveli nun immer denken muss, wenn sie die „Sturm-Etüde“ künftig spielt. Allerdings war auch eine Idee, dass es sich anhöre wie ein regnerischer Nachmittag.

Kiveli Dörken am Flügel, Foto: Wibke Heß

Kiveli Dörken am Flügel, Foto: Wibke Heß

Mittlerweile habe ich schon einige TONALi-Konzerte erleben dürfen und bin immer sehr gespannt auf die Fragen. In Dornum war das ein bisschen anders. Auch wenn Kiveli immer ermunterte, dass es keine falschen Fragen gebe, war das schwierig. Meine Erklärung dafür ist, dass an einer Schule mit 140 Schülerinnen und Schülern jeder jeden kennt und man sich nicht verstecken kann und sich dementsprechend nicht traut, Fragen zu stellen. Bei Veranstaltungen mit 300 Schülern und mehreren Zügen ist das anders. Das hat Vor- und Nachteile.
Ein paar Fragen gab es dann doch. Warum Klavierspieler immer so taumeln beim Spielen, wollte ein Junge wissen. Kiveli wusste sofort, was er meinte. Vermutlich hinge das mit den starken Emotionen zusammen, die die Musik bei ihr wecke. Gerade Klavierspieler sollten eigentlich relativ ruhig sitzen, aber sie wisse, dass sie Gesichter schneide und tief in die Musik eintauche. Wie sie dazu gekommen sei, Klavier zu spielen, war eine weitere Frage. Und da habe ich mich über die Antwort sehr gefreut: Im Gegensatz zu vielen Kollegen wurde Kiveli bei ihrer Instrumenten- und Berufswahl nicht von ihren Eltern beeinflusst. Diese kommen eher aus dem Bereich Wirtschaft. Es spielt auch kein anderer aus der Familie ein Instrument, außer ihrer älteren Schwester Danae. Und so waren ihre Eltern auch noch dagegen, dass sie ausgerechnet ebenfalls Klavier spielen lernt, weil sie eine Konkurrenz unter den Geschwistern befürchteten. Sie wollten Kiveli eher dazu bringen, Tennis zu spielen oder zur Not Horn oder Geige zu lernen, hatten aber keine Chance gegen den Dickkopf ihrer Tochter. Heute sind beide Schwestern erfolgreiche Pianistinnen und spielen oft auch zusammen.

Weiter ging es mit Filmmusik von Manuel de Falla. Der „Feuertanz“ weckte alle, die sich zwischendurch vielleicht doch hatten ablenken lassen. Hier wurden auch die Jungs aus der fünften Reihe aktiv und ritten im Rhythmus der Musik auf ihren Stühlen. Ein Mädchen erkannte im Anschluss die Schlüsselszene, dass es sich um eine schwierige Entscheidung handeln könne. Und in der Tat ging es für eine junge Frau um die Entscheidung für den richtigen Mann: der, den sie liebt, oder der, den sie heiraten muss.

Das Instrument

Wie funktioniert ein Flügel?

Wie funktioniert ein Flügel?

Dann kam die wichtige Frage ans Publikum, wie denn ein Flügel nun funktioniere. Das konnte oder wollte niemand so richtig beantworten, nicht einmal die, die selbst spielen. Kurzerhand nahm Kiveli das Notenpult vom Instrument ab. Da machten sich doch einige im Saal Sorgen um das teure Stück. Die Schüler im Halbkreis um den Steinway versammelnd, erklärte sie wie Tasten, Hämmerchen, Dämpfer und Saiten zusammenhängen und was passiert, wenn man wo drückt.

Übergabe an Maxi

Der mutige Maxi übernimmt kurzerhand Kivelis Platz, Foto: Karlheinz Krämer

Der mutige Maxi übernimmt kurzerhand Kivelis Platz, Foto: Karlheinz Krämer

Maxi, der Hauspianist der Schule, hatte sich nun schon als Klavierspieler geoutet und durfte dann auch mal ran. Seine Version von „Where are you now“, bzw. „Faded“ von Alan Walker gefiel mir persönlich fast besser als das, was ich dreimal täglich im Radio höre, und ich fand es sehr mutig, dass er sich da einfach so auf Kivelis Hocker gesetzt und gespielt hat! So bekam er dann auch noch mehr Applaus als die Hauptakteurin, die ihm jedoch ihren Platz für ein weiteres Stück überließ.

Auch wenn sie wisse, dass nicht jeder ein Klavier oder eine Gitarre zu Hause habe, hätten wir doch alle ein eigenes Instrument zu unserer Verfügung: unsere Stimme, so Kiveli. Leider trauten sich nur wenige, die zu ihrem Spiel von „My heart will go on“ von Céline Dion zu nutzen. (Das hat vermutlich anderswo schon besser funktioniert, was absolut nicht als Vorwurf verstanden werden soll!)

Gershwins „Rhapsody in Blue“, bzw. die letzten Takte davon, bildeten den Abschluss von Kivelis TONALi-Tour Schulkonzert in Dornum. Dafür gab es einen großen Blumenstrauß, bevor auch sie noch im Foyer des Schlosses Autogramme geben durfte.

Immer noch strahlender Sonnenschein, 13 gut gelaunte Schülermanager, eine glückliche Kiveli Dörken, ein zufriedener Hauke Piper, eine Brücke über den Wassergraben vor dem Schloss und ein Foto: Das war TONALi-Tour in Dornum 2016.

Das Schülermanager-Team um Hauke Piper von der Realschule Dornum mit Patenmusikerin Kiveli Dörken, Foto: Karlheinz Krämer

Das Schülermanager-Team um Hauke Piper von der Realschule Dornum mit Patenmusikerin Kiveli Dörken, Foto: Karlheinz Krämer

Die Gezeitenkonzerte bedanken sich bei allen Schülermanagern, ohne die dieses Konzert nicht zustande gekommen wäre, bei Kiveli Dörken, für die das ebenso gilt, bei der Realschule Dornum, stellvertretend bei der Schulleiterin Christine Deuter und natürlich Hauke Piper, der uns angesprochen hatte, bei TONALi und der PwC-Stiftung. TONALi-Tour ist unserer Meinung nach ein wirklich lohnenswertes, nachhaltiges Projekt, das zu berühren weiß.

Die Dornumer Schülermanager:
Sara Heiken
Esmee Rietman
Milena Ennen
Frya de Jonge
Nadine Herzig
Rieke Eschen
Leonie Jannsen
Evita Jannsen
Alina Thalheimer
Laura Heiken
Jasmin Thalheimer
Annika Kuper
John Doe?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.