Ein spanischer Abend in Aschendorf

„Ich brenne für das Leben“ – Vom Leben und Sterben des Federico García Lorca (1898-1936)
Wort- und Musik-Programm bei den Gezeitenkonzerten mit Stefan Kurt (Rezitation), Ulf Schneider (Violine) und Stephan Imorde (Klavier) am 25.Juni im Heimathaus Aschendorf

Heimathaus Aschendorf mit Ulf Schneider und Stefan Kurt

Ulf Schneider (Violine) und Stefan Kurt (Rezitation) beim Gezeitenkonzert im Heimathaus Aschendorf, Foto: Karlheinz Krämer

Mit einem Dank an den Hauptförderer der Gezeitenkonzerte, die Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse, sowie an den Konzertförderer, den Kulturkreis Papenburg, eröffnete der ehemalige Landschaftspräsident Helmut Collmann den gestrigen Abend im Heimathaus Aschendorf. In seiner kurzen Eröffnungsrede bat er die Besucher, im Anschluss an das Konzert noch ein wenig zu bleiben und die abendliche Brotzeit vor Ort einzunehmen. Die Landfrauen des Heimatvereins Aschendorf hatten im eigenen Steinbackofen frisches Brot gebacken, belegt mit Käse, Schinken und unglaublich leckerer hausgemachter Marmelade (die es dort übrigens, ebenso wie das Bauernbrot, zu einem sehr fairen Preis zu kaufen gibt!).

Bereits nach wenigen Minuten wurde klar, weshalb das Wort- und Musik-Programm keine Pause beinhaltete: Eine nachdenkliche, bedrückende und melancholische Stimmung legte sich über den Raum. Die schlichte und urige Atmosphäre der alten Scheune, in der es noch immer leicht nach Stall duftet, passte sehr gut zur Kulisse der letzten Tage im Leben des Federico García Lorca. Stephan Imorde (Klavier) und Ulf Schneider (Violine) brillierten jeder für sich ebenso wie gemeinsam und schufen so einen ergreifenden musikalischen Rahmen.

Stefan Kurt

Stefan Kurt liest im Heimathaus Aschendof aus den Werken Federico García Lorcas

Das Wechselspiel zwischen Musik und Rezitation harmonierte perfekt, und die warme, eindringliche Stimme Stefan Kurts zog bereits nach wenigen Worten jeden Konzertbesucher in ihren Bann. Mal begleitet, mal unterbrochen wurden die Memoiren und Gedichte von passenden und stimmungshaften Werken verschiedener spanischer Komponisten. Einige von ihnen, so zum Beispiel Manuel de Falla, waren befreundete Kollegen des Schriftstellers. Und alle einte die freie und linksorientierte Einstellung, die sie zur Zielscheibe der Zivilgardisten machte.

Zwar von Mitschülern für seine Andersartigkeit verspottet, genoss Lorca eine glückliche Kindheit, die für ihn vielleicht nie richtig endete. Trotz vieler glücklicher Momente, kreisten seine Gedanken stets um Schmerz, Tod, unerfüllte Liebe und die unterdrückte Republik.
Ebenfalls vielfach thematisiert in Gedichten und Theaterstücken, war das Leben der Zigeuner, die er für große Künstler und zu Unrecht schlecht behandelt hielt. Negativer Höhepunkt seines Lebens war neben der Verhaftung und Inhaftierung im Gefängnis „La Colonia“ der Tod des befreundeten Toreros Ignacio Sánchez Mejias, dem er auch ein Gedicht widmete.

Drei Tage nach seiner Inhaftierung wird Federico García Lorca erschossen.

Im Saal herrscht absolute Stille, als Stefan Kurt die letzten Zeilen verliest. Erst nach einigem Zögern beginnt das Publikum ergriffen, vorsichtig zu klatschen.

Die Einladung zur Brotzeit haben die Besucher und das Team gerne angenommen und konnten so den Nachmittag nach der schweren Kost süß ausklingen lassen. Mit etwas leichterem Herzen machten sich die Konzertbesucher dieses Gezeitenkonzertes nach der kleinen Stärkung von Aschendorf aus auf den Heimweg.

Etwa eine Stunde nach Konzertende ging es auch für uns zurück nach Aurich, wo wir bereits mitten in den Vorbereitungen für die kommenden Veranstaltungen stecken.
Ich freue mich auf die nächste Zeit und wünsche Ihnen wunderbare Gezeitenkonzerte!

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