Eine Reise ins „Wonderland“

Alice Sara Ott

Alice Sara Ott mit „Wonderland“ beim Gezeitenkonzert in Reepsholt, Foto: Karlheinz Krämer

Alice Sara Ott begeistert am 29. Juni beim Gezeitenkonzert in der St. Mauritiuskirche in Reepsholt und entführte mit dem Programm „Wonderland“ in fremde Welten.

Obwohl sie sonst darauf verzichtet, weil es sie unglaublich nervös mache, vor vielen Menschen zu sprechen, richtete die Deutsch-Japanerin Alice Sara Ott am Donnerstagabend vor dem Konzert einige Worte ans Publikum. Das Programm liege ihr sehr am Herzen, weshalb sie die Zuhörer einlud, sich zurückzulehnen, die Augen zu schließen und einfach zu entspannen. Wäre die harte und leider unsäglich unbequeme Sitzbank nicht gewesen, wäre das noch ein wenig einfacher gewesen. Griegs Klavierwerke sind Gegenstand ihres aktuellen Albums „Wonderland“ – der Name entstand übrigens nicht wegen des Wortspiels mit ihrem Vornamen, wie die Pianistin mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen betonte.

Tief ins „Wonderland“ eingetaucht: Alice Sara Ott

Die musikalische Welt von Edvard Grieg ist zweifelsohne eine magische, in der er Trolle, Elfen und andere Fabelwesen zum Leben erweckt. Die zierliche Alice Sara Ott im zart-gelben, bodenlangen Kleid wirkte dabei selbst wie aus Griegs Fabelwelt entsprungen. Die Lyrischen Stücke, die Namen wie „Elfentanz“, „Zug der Trolle“ oder „Kobold“ trugen, verzauberten ebenso wie die Ballade für Klavier in g-Moll. Applaudiert wurde auf Wunsch der Künstlerin erst nach den beiden Werken, dafür aber umso lautstarker.
Während die Konzertbesucher versuchten, in der Pause halbwegs trockenen Hauptes zum Catering zu gelangen, wechselte Alice Sara Ott ihr elfenhaftes Outfit gegen ein düsteres.

Die Sonate in h-Moll von Franz Liszt, die die zweite Hälfte des Abends füllen sollte, sei das emotional anspruchsvollste, dass ihr je begegnet sei, ein wahr gewordener Albtraum. Die Gegensätzlichkeit zu Edvard Griegs märchenhafter Musik hätte größer kaum sein können.
Das Bühnenlicht wurde gedimmt, stattdessen einige Kerzen auf dem Altar angezündet. Die Pianistin bildete mit ihrem schwarzen Kleid nicht nur optisch eine Einheit mit dem Flügel. Vor lauter Wucht und Spielfreude hob die zierliche Ott zwischendurch beinahe ab und man hatte das Gefühl, dass sie lediglich die ruhigen Passagen am Boden hielten.
Als Zugabe gab es für das restlos begeisterte Publikum „In der Halle des Bergkönigs“, den letzten Satz aus Griegs Peer-Gynt-Suite Nr. 1. Wäre es nach den Konzertbesuchern gegangen, hätte es noch mindestens zwei weitere Zugaben gegeben. Da die Künstlerin noch am selben Abend den Heimweg antrat, blieb es bei einer. Die Zuhörer dankten ihr trotz dessen mit stehenden Ovationen.

Durchnässt vom Abbauen im strömenden Regen, aber beseelt von dem unglaublichen Konzertabend traten auch wir eine Stunde nach Ende des Gezeitenkonzerts den Heimweg an.

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