Erfolgreicher Auftakt in die Gezeitenkonzerte 2018

Nach einem fulminanten Vorverkaufsstart und den wohlverdienten freien Ostertagen haben die Gezeitenkonzerte am vergangenen Wochenende in den Konzertmodus geschaltet und – getreu dem diesjährigen Motto – die „Leinen los!“ gemacht. Denn erstmalig haben wir das Festival um einen Prolog und einen Epilog nach vorne und hinten verlängert, um für unsere Besucher die Wartezeit bis zum eigentlichen Festivalbeginn am 16. Juni zu verkürzen.

Trio21meter60 im Landschaftsforum und im Steinhaus Bunderhee

Den Auftakt zu diesem sechs Konzerte umfassenden Prolog der Gezeitenkonzerte bildeten die beiden ausverkauften Gipfelstürmer-Konzerte mit dem Trio 21meter60 am 6. April im Landschaftsforum Aurich und am 7. April im Steinhaus Bunderhee. Die drei jungen Tubisten Constantin Hartwig, Fabian Neckermann und Steffen Schmid sind schon seit vielen Jahren befreundet, waren beim Deutschen Musikwettbewerb 2016 allesamt als Solisten überaus erfolgreich und konnten den Wettbewerb als Gewinner und Stipendiaten abschließen. Daraufhin haben sie sich zu einem Trio formiert, das in die Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler (BAKJK) aufgenommen wurde und in seiner Spielzeit 2017/18 seine allererste Konzertsaison bestreitet.

Trio 21meter60 beim Auftakt der Gezeitenkonzerte

Trio 21meter60, Foto: Karlheinz Krämer

 

Dabei bilden die Musiker eines von nur zwei aktiven Tuba-Ensembles weltweit, das auf drei gleichen Instrumenten – nämlich einer Basstuba in F – spielt. Die Besetzung kann man also mit Fug und Recht als äußerst exotisch bezeichnen. Dass diese eine solche Resonanz erfährt, spricht für die Neugier unseres Publikums! Und diese Neugier belohnten die drei Musiker mit einer ebenso facettenreichen wie eindrucksvollen musikalischen Reise, die sie unter das Motto „Around the World“ stellten und dabei Musik von nahezu allen Kontinenten als auch aus den unterschiedlichsten Epochen präsentierten. Dabei räumten sie mit so manchem Klischee auf, das ihrem Instrument angelastet wird und bewiesen, dass eine Tuba weit mehr ist als das vermeintliche Blaskapellen-Begleitinstrument, das keine Melodien spielen kann. Sie zeigten im Verlauf des Konzerts den Zuhörern die landläufig eher unbekannten Seiten der Tuba und präsentierten sie als vollwertiges Solo- und Kammermusikinstrument.

Im ausverkauften Landschaftsforum lauscht das Publikum aufmerksam der außergewöhnlichen Tubatrio-Besetzung

Es offenbarte sich ein erstaunlicher Klangfarbenreichtum: Samtig-weiche elegische Melodiebögen, die an Cello oder Kontrabass erinnern, eindrucksvolle Multiphonics-Effekte und brillant klingende, filigrane Melodien in teils schwindelerregenden Höhen – das klangliche Spektrum war ebenso vielseitig wie das Repertoire. Mit ihrem Trio verleihen Constantin Hartwig, Fabian Neckermann und Steffen Schmid der Tuba damit ein ganz neues Gesicht. Gleichzeitig beweisen sich die Musiker nicht nur als herausragende Musiker, sondern auch als patente Arrangeure: Da ihr Instrument erst 1835 erfunden wurde, ist das Originalrepertoire für Tuba und insbesondere für Tuba-Trio rar gesät. Und so ist die Vielzahl der Werke, die im Konzert erklingen, von den drei Musikern selbst bearbeitet – und das führt gerade bei den bekannteren Stücken zu ganz erstaunlichen klanglichen Neuentdeckungen.

Im Steinhaus Bunderhee stehen vor dem Konzert des Trio 21meter69 die Getränke für das Publikum bereit

Nach dem beschwingten Beginn mit Piazzollas berühmten „Libertango“ arbeitete sich das Trio mit Werken von Monteverdi, Pachelbel und Bachs unsterblicher „Air“ zunächst chronologisch durch die Musikgeschichte, bevor Steffen Schmid mit einer Adaption von Telemanns Flötenfantasie bewies, dass man auf einer Tuba entgegen aller Klischees auch schnell und virtuos Melodien spielen kann. Auch seine beiden Kollegen stellten sich im Konzertverlauf solistisch vor: Fabian Neckermann präsentierte mit Erland von Kochs aufregendem „Monolog Nr. 9 für Tuba Solo“ eine der wenigen Originalkompositionen für Tuba, und Constantin Hartwig glänzte mit einer atemberaubenden Solo-Version von Paul McCartneys „Blackbird“. Hartwig war es auch, der ebenso eloquent wie humorig durch den Abend führte und dem Publikum dabei auch die Besonderheiten des Instruments und die Hintergründe des Repertoires näherbrachte. Debussys „Le Petit Nègre“ beispielsweise spielten alle drei während ihres Musikstudiums im Klavier-Nebenfach-Unterricht. Ein schöner musikalischer Scherz war auch sein Arrangement von Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ für drei Nasenflöten. Gut die Hälfte des  Konzertprogramms bestand aus zeitgenössischen (Original-)Kompositionen von Brian Lynn, Daniel Schnyder, Eric Ewazen oder Steven Verhelst. Diese zeigten besonders eindrucksvoll den Facettenreichtum des Instruments, da sie den gesamten Tonumfang und die Klangfarben ausreizten und das Publikum staunen ließen.

Der tiefste spielbare Ton, das Subkontra-F, notiert im Bassschlüssel.

Der tiefste spielbare Ton, das Subkontra-F, notiert im Bassschlüssel.

Bevor das Trio dann mit einem „George Gershwin Medley“ das Konzert beendete, löste Constantin Hartwig dann auch das Rätsel um den ungewöhnlichen Namen des Trios auf: Er resultiert aus der in Schwingung gebrachten Luftsäulen ihrer drei Musikinstrumente beim tiefsten möglichen Ton, dem Subkontra-F. Diese beträgt 7,20 m pro Instrument, in Summe also 21,60 m. Und so bekam das Publikum auf unterhaltsame Art und Weise auch noch etwas Instrumentenkunde. Überhaupt war es spannend zu beobachten, wie wissbegierig unsere Besucher die Instrumente beäugt haben, die in Orchestern oder größeren Blasensembles meist hinten in der letzten Reihe versteckt sind. So erkundigten sich einige Besucher in der Pause und nach dem Konzert bei den Musikern nach baulichen und spieltechnischen Eigenheiten der Instrumente.

Stehende Ovationen nach einem fulminanten Konzert

Für die begeisterte Resonanz mit stehenden Ovationen bedankte sich das Trio21meter60 mit dem irischen Folksong „Danny Boy“ und dem „Schumachermarsch“ von Daniel Schnyder. Es war ein gelungener Start in unsere Konzertsaison mit einem außergewöhnlichen Konzert, bei dem Constantin Hartwig, Fabian Neckermann und Steffen Schmid viel dafür getan haben, mit den Klischees über die Tuba aufzuräumen. Zumindest die insgesamt rund 200 Besucher der beiden Konzerte im Landschaftsforum und dem Steinhaus Bunderhee werden die Tuba künftig sicherlich mit ganz anderen Ohren hören…

Ausblick: Gipfelstürmer-Konzerte mit dem Duo Arnhold-Kaiser

Ganz andere Klangfarben, aber eine ebenso selten gehörte Instrumentenkombination, bieten die kommenden beiden Gipfelstürmer-Konzerte mit dem Duo Arnhold-Kaiser am 25. Mai im Landschaftsforum Aurich und am 26. Mai im Steinhaus Bunderhee. Die Cellistin Friederike Luise Arnholdt gewann bereits zahlreiche Preise und spielte mit namhaften Musikern und Orchestern auf renommierten Festivals und in bekannten Konzerthäusern. Jessica Kaiser gehört zu den erfolgreichsten Gitarristen ihrer Generation. Wie für Tuba-Trio sind für die ungewöhnliche Besetzung Cello/Gitarre Originalkompositionen rar. Friederike Luise Arnholdt und Jessica Kaiser werden eine dieser Raritäten vorstellen: „Spiel für Violoncello und Gitarre“ des zeitgenössischen Komponisten Erkki-Sven Tüür. Elegisch-sphärische Stellen mit Flageolett-Tönen wechseln sich in diesem mit spielerischen Herausforderungen gespickten Stück mit rhythmisch-energischen Passagen ab. Als zweite Original-Komposition präsentieren die Musikerinnen Raffaele Bellafrontes nicht minder aufregende „Suite Nr. 1“ für Violoncello und Klavier.

Den Rest vielseitigen Programms spezielle Bearbeitungen für diese außergewöhnliche Besetzung. Manuel de Fallas „Suite populaire espagnole“ beispielsweise versammelt spanische Volkslieder und ist ursprünglich für Mezzosopran und Klavier geschrieben. Südamerikanisches Flair gepaart mit barockem Kontrapunkt bietet es bei Heitor Villa-Lobos‘ „Bachianas Brasileiras“. Solistisch treten die beiden Musikerinnen zudem mit Werken von Albeniz, Turina und Sibelius in Erscheinung. Für das Konzert im Landschaftsforum sind noch Karten erhältlich.

 

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