Kirche Dunum

Kirche Dunum, Foto: Karlheinz Krämer

Kirche Dunum, Foto: Karlheinz Krämer

Die Kirche in Dunum liegt auf sehr altem Siedlungsgebiet. Nicht weit entfernt befindet sich der sagenumwobene Radbodsberg. Hier soll der Sage nach der friesische König Radbod begraben sein. Bei der Ausgrabung des Hügels wurden mehrere Gräber, eine Steinkiste und ein Pferdeschädel mit Halswirbeln und Lederresten entdeckt. Vermutlich war ein Grabhügel der Steinzeit der Ursprung des Radbodsberges. Sowohl in der jüngeren Bronzezeit als auch in der frühen Eisenzeit, also bis zur Zeit Christi Geburt, wurde der Hügel als Bestattungsplatz genutzt und war somit über 3000 Jahre ein geheiligter Ort.
Die Kirche hatte, so haben Grabungen ergeben, einen hölzernen Vorgängerbau.

Der jetzige romanische Backsteinbau mit einer halbrunden Apsis entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Westwand wurde 1712 neu aufgemauert und die einst schmalen, hoch sitzenden Fenster vergrößerte man, um mehr Licht in das Innere der Kirche zu leiten. Wohl von Anfang an besaß der Kirchenraum eine flache Decke, die Apsiswölbung wurde 1861 erneuert.

Der Taufstein entstammt der Zeit um 1200. Diese frühen Taufsteine waren meist nur ausgehauene Granitfindlinge mit einer Aushöhlung für das Taufwasser. Hier haben wir es jedoch mit einem besonderen Stein zu tun: Es gibt einen Sockel mit vier dünnen und vier dickeren Halbsäulen, aus denen heraus sich auf der Cuppa Halbfiguren entwickeln, deren Köpfe ein wenig über den Beckenrand hinausragen. Ihre Hände sind zum Betgestus erhoben. Das Weihwasserbecken aus Granit stammt wohl aus derselben Zeit. Nachdem es viele Jahrhunderte im Pfarrgarten lag, hat es jetzt seinen Platz auf einem Sockel aus Backstein am Eingang, also dort, wo es ursprünglich auch gestanden haben wird.

Auf dem Altartisch, bei dem es sich wahrscheinlich um eine wiederverwendete Grabplatte handelt, erhebt sich ein aus einem alten Mühlenbalken geschnitztes Kruzifix des Bremer Bildhauers Karl Bücking (1954).

Die Kanzel ist von heimischen Handwerkern gefertigt. Sie wurde 1769 vom Zimmermann G. Behrens aus Esens gebaut und 1770 vom C. Röttger aus Wittmund mit Darstellungen Christi und der vier Evangelisten bemalt.

Die einmanualige Orgel mit angehängtem Pedal und neun Registern baute Hinrich Just Müller aus Esens 1759-65. Er schuf zwischen 1760 und 1811 viele Orgeln in Ostfriesland, unter anderem die in der Sankt-Barbara-Kirche in Bagband.

Text: Monika van Lengen

Kirche Dunum im Winter, Foto: Dirk Lübben

Kirche Dunum im Winter, Foto: Dirk Lübben

Über die 125 romanischen und gotischen Kirchen in Ostfriesland erschien 2011 ein mit vielen Fotos ausgestattetes Buch von Justin Kroesen und Regnerus Steensma: Kirchen in Ostfriesland und ihre mittelalterliche Ausstattung (ISBN: 978-3865681591).

Kirche Dunum
Hauptstraße 30
26427 Esens-Dunum

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