Happy Birthday, die Zweite

Beethoves Cello-Sonaten II
Anastasia Kobekina und Elisabeth Brauß, Andreas Brantelid und Andreas Hering sowie Gabriel Schwabe und Markus Becker

Anastasia Kobekina und Elisabeth Brauß spielten u. a. Beethovens Cello-Sonate Nr. 1, Foto: Karlheinz Krämer

Anastasia Kobekina und Elisabeth Brauß spielten u. a. Beethovens Cello-Sonate Nr. 1, Foto: Karlheinz Krämer

Am Sonntag erwachte Petrus aus seinem ausgedehnten Winterschlaf und bemerkte, dass wir ja schon in der zweiten Julihälfte sind. Das Wetter schwang um auf sommerlich und wir konnten unsere Gezeiten-Shirts mal ohne Fleecejacke tragen. So war die Zeit vor dem Konzert richtig angenehm.

Doch ich will mich nicht aufhalten, denn musikalisch gibt es viel zu erzählen: Los ging es mit Beethovens Variationen über „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus der Zauberflöte, aufgeführt von Anastasia Kobekina (Cello) und Elisabeth Brauß am Klavier. Ein Blick ins Programmheft verriet mir, dass die beiden 1994 und 1995 geboren sind. Ich selbst bin Jahrgang 97. Während bei meinen Klavierübungen die Nachbarn genervt die Fenster schließen, verzaubern die beiden schon einen ganzen Konzertsaal. Vielleicht ist es Talent, zum großen Teil aber sicherlich Fleiß und harte Arbeit. Meinen allergrößten Respekt für diese Leistungen in dem Alter. Weiterlesen

Stürmische Gezeiten

 

Alexandra Conunova-Dumortier (Violine) und Lilit Grigoryan (Klavier), Foto: Karlheinz Krämer

Alexandra Conunova-Dumortier (Violine) und Lilit Grigoryan (Klavier), Foto: Karlheinz Krämer

Lilit Grigoryan war meine persönliche Entdeckung des letzten Jahres. Matthias Kirschnereit hatte im Vorfeld einiges von ihr erzählt, und als mir diese energiegeladene junge, hübsche Frau bei der Langen Nacht in Landow auf Rügen begegnete, war ich wirklich fasziniert. Es war eine Freude, ihr beim Klavierspiel zuzuschauen und zu lauschen. In Wiegboldsbur konnte sich dann auch unser Team von meinen Schilderungen überzeugen. Alexandra Conunova-Dumortier begegnete mir indirekt kurz nach den Gezeitenkonzerten 2012, als sie Fan der Facebook-Seite wurde. Als ich Matthias fragte, ob er sie kenne antwortete er sofort: „Ja, die möchte ich auch gerne mal nach Ostfriesland holen!“ Kurz darauf durfte ich mich intensiver mit ihr beschäftigen, denn da hatte sie den ersten Preis des Internationalen Joseph Joachim Violinwettbewerbs der Stiftung Niedersachsen gewonnen, den wichtigsten und höchstdotierten Preis für dieses Instrument. Zuvor hatte bei uns im Landschaftsforum Ju-Ni Lee, eine Teilnehmerin des Wettbewerbs „Zu Gast in Niedersachsen-Konzert“ gastiert, sodass wir natürlich neugierig waren, wer in diesem Jahr das Rennen machen würde.

Lilit Grigoryan, Foto: Karlheinz Krämer

Lilit Grigoryan, Foto: Karlheinz Krämer

Dass ausgerechnet Lilit und Alexandra zusammen ein Gezeitenkonzert als Gipfelstürmerinnen in der wunderschönen Kirche zu Norden-Bargebur geben sollten, war für mich natürlich ein Highlight. Diese schöne, schlichte, aber gleichzeitig warme Kirche war wirklich der perfekte Ort für die beiden, was sich bereits nachmittags darin manifestierte, dass sie Fotos davon auf Facebook eingestellt hatten: „Our tonight’s venue to perform an incredibly rich programm including Debussy, Schubert Fantasy & co. Looking forward!“. & Co. war beispielsweise Vieuxtemps, auf den ich besonders gespannt war, spielt doch Alexandra die bisher noch nicht auf CD erschienenen „Six morceaux sur des thèmes russes ou divertissements d’amateurs für Violine und Klavier op. 24“ bei Naxos ein.

Alexandra Conunova-Dumortier, Foto: Karlheinz Krämer

Alexandra Conunova-Dumortier, Foto: Karlheinz Krämer

Die Auswahl der Stücke der beiden sympathischen Musiker führte zu einem absoluten Gleichgewicht und ließ sie mal wieder die ganze Bandbreite von Gefühlen ausdrücken. Das bemerkten auch die Gäste am Ausgang, von denen gleich mehrere zu Tränen gerührt waren. Nach dem begeisterten Applaus gab es jeweils eine Solo-Zugabe der beiden, wobei Lilits Arpeggione von Schubert am Schluss stand. Besonders schön fand ich, dass die sie dabei gemeinsam auf der Bühne blieben.

Es war wie bei den Gezeiten: mal laut, mal leise, mal stürmisch und mal fröhlich plätschernd. Und auch die beiden Künstlerinnen passten herrlich nach Ostfriesland: Unaufgeregte Gelassenheit trifft auf Begeisterung und Enthusiasmus. Sie überraschten mit ihrer Musik die Menschen nicht nur aus der Region.

Für den Vormittag hatte ich mit Karin Baumann von den Ostfriesischen Nachrichten zusammen mit Lilit Grigoryan und Alexandra Conunova-Dumortier einen Wattspaziergang mit Interview und schönen Fotos und eigentlich sogar Filmaufnahmen geplant. Leider wurde daraus nur ein Interview im Schutz der Strandkörbe, da es einfach zu kalt und zu windig war. Glücklicherweise hatten Uwe Pape und die Gastgeberin der beiden an Handtücher – eigentlich für die dreckigen Füße – gedacht, die die beiden aber als zusätzliche Wärmequelle nutzten. Witzigerweise kamen sie von unserem Förderer EDEKA, was ebenfalls bei Facebook vermerkt wurde: „During our interview, for the „Gezeitenkonzerte“ Festival – freezing , wearing the latest towel model from EDEKA;-) with my Lilit“.

Lilit Grigoryan und Alexandra Conunova-Dumortier, Foto: Karlheinz Krämer

Lilit Grigoryan und Alexandra Conunova-Dumortier, Foto: Karlheinz Krämer

Reformierte Kirche in Bargebur

Reformierte Kirche Bargebur, Foto: Karlheinz Krämer

Reformierte Kirche Bargebur, Foto: Karlheinz Krämer

Mehr als hundert Jahre dauerte es, ehe sich die Reformierten im „lutherischen“ Norden eine eigene Kirche bauen konnten. Seit 1612 durften sie immerhin Gottesdienst abhalten, mussten dazu aber in das vier Kilometer entfernte, reformierte Lütetsburg. Nach vielen Eingaben bekamen sie 1679 vom dort herrschenden Grafen Dodo II. von Knyphausen die Erlaubnis, in seiner Herrlichkeit, nämlich in Bargebur direkt von den Toren Nordens, gegen den Widerstand der Norder und trotz des Bauverbots der fürstlichen Regierung, eine Kirche zu errichten.

Seit einiger Zeit schon hatten sie, weil durch den Umbau des Schlosses die Schlosskapelle nicht mehr zugänglich war, in der Bargeburer Ölmühle Unterschlupf gefunden.

In Norden herrschte ein erbitterter Streit um den rechten Glauben. Kurz nach Beginn der Bautätigkeit kam es deshalb zu einem Aufruhr der Norder Lutheraner, die sich, manche mit „Feuerrohren“ bewaffnet, zusammenrotteten und den begonnenen Bau nebst Baumaterial vernichteten. Danach berichteten sie stolz, sie hätten „das Zwingli’sche Nest verheeret“. Nur unter dem Schutz der Brandenburgischen Truppe, die in Greetsiel lag, konnte die Kirche 1684 endlich gebaut werden. Die in Ostfriesland residierende Fürstin Christine Charlotte, selbst überzeugte Lutheranerin, musste widerwillig der Gründung einer reformierten Kirchengemeinde in Norden zustimmen.

Der schlichte Backsteinbau hat große, rundbogige Fenster, und seine Glocke befindet sich in einem Dachreiter auf dem Walmdach.
Durch einen Vorraum betritt man das von einer gewölbten Decke überspannte Kircheninnere. An der Nordwand befindet sich die Prieche, das logenartige Kirchen-gestühl, der In- und Knyphausenschen Familie. In der Gruft unter der Kirche wurden bis 1790 die Familienmitglieder bestattet. Seitdem dient die „Insel der Seeligen“ im damals neu angelegten Landschaftspark des Lütetsburger Schlosses als Familien-Friedhof.

Die Orgel stammt aus der Werkstatt W. Beckmann, Einbeck. Sie entstand im Erbauungsjahr der Kirche und wurde 2004 vom Orgelbauer Bartelt Immer aus Norden restauriert.

Text: Monika van Lengen

Ev.-ref. Kirche Bargebur
Alter Postweg
26506 Norden-Bargebur