„Beim Komponieren kommt nie etwas Schlechtes raus“

Ein Tag im Musikdorf Groothusen

Gleich geht's los mit dem Musikdorf in Groothusen, Foto: Karlheinz Krämer

Gleich geht’s los mit dem Musikdorf in Groothusen, Foto: Karlheinz Krämer

Der traditionelle „Familientag“ der Gezeitenkonzerte der Ostfriesischen Landschaft wurde in diesem Jahr neu erfunden. Durch die Zusammenarbeit mit TONALi, einem Veranstalter, der in Hamburg regelmäßig Wettbewerbe für Klavier, Violine und Violoncello ausrichtet und sich nun erstmals aufs Land hinauswagt, wird der Musikalltag zum Erlebnis. Denn es gilt, mehrere Stationen abzuarbeiten – vom Komponisten, den ausübenden Musiker, den Musikverlag, die Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu Probe und Konzert. Weiterlesen

Das magische Musikdorf Groothusen

Die Entstehung von Musik – ein weiteres Kooperationsprojekt von TONALi und Gezeitenkonzerte zusammen mit den Groothusern

Planungsgruppe für das Musikdorf Groothusen; Foto: Lothar Gorissen

Planungsgruppe für das Musikdorf Groothusen; Foto: Lothar Gorissen

Als wir im November zusammen mit Amadeus Templeton und Boris Matchin von TONALi sowie Ulf Brenken, unserem Programmheftautor, bei Matthias Kirschnereit zu Hause bei einem Brainstorming gesessen haben, schlackerten mir zwischendurch die Ohren, weil da so viele Ideen im Raum schwebten. Mittlerweile haben wir TONALiA, unser gemeinsames Schülermanagerprojekt erstmals außerhalb Hamburgs – bei einem Flächenfestival wie den Gezeitenkonzerten in Ostfriesland – angeschoben und auch unser Musikdorf in Groothusen nimmt immer konkretere Formen an.

Nachdem wir lange nach einem geeigneten Ort für eine Art „Gallisches Dorf“ in Ostfriesland gesucht hatten, sind wir Anfang des Jahres ziemlich schnell auf die Krummhörn gekommen. Als wir dann bei Dorothea Kempe in der fantastischen Osterburg zu Gast waren, war uns sofort klar: Groothusen ist es! Am 5. Juli werden wir gemeinsam mit den Groothusern und Akteuren von außerhalb dort der Entstehung von Musik nachspüren und die ganze Familie einbinden. Weiterlesen

Gipfelstürmer auf Groothuser Warft

Julian Arp (Cello) und Caspar Frantz (Klavier), Foto: Karlheinz Krämer

Julian Arp (Cello) und Caspar Frantz (Klavier), Foto: Karlheinz Krämer

Nachdem Caspar Frantz im letzten Jahr sein Debüt in Ostfriesland bei den deutsch-niederländischen Grenzkonzerten in Backemoor gegeben hat, kam er in diesem Jahr zusammen mit dem Cellisten Julian Arp zu den Gezeitenkonzerten wieder. Die beiden jungen Männer machen nun schon seit 15 Jahren zusammen Musik und haben sich bereits einige Preise erspielt. Vor kurzem ist ihre neueste CD „Time isn’t passing“ erschienen, die uns bereits vor dem Auftritt in der Kirche zu Groothusen große Lust auf gerade dieses Gezeitenkonzert gemacht hat. Freitagabend gab das Duo Arp/Frantz also das erste von insgesamt sechs Gezeitenkonzerten, in denen die Gipfelstürmer zum Zuge kommen. Diese Bezeichnung verleitet manchen zum Schmunzeln, einige haben ein großes Fragezeichen im Hinterkopf ob der künstlerischen Qualität.
Caspar und Julian konnten diese Bedenken gleich mit dem ersten Stück zerstreuen. Zwei hochkonzentrierte, ausdrucksstarke und vor allem leidenschaftliche junge Musiker begannen mit Beethovens Sonate g-Moll für Klavier und Violoncello op. 5 Nr. 2. Es folgte ein Applaus, der – entgegen der Musik – deutlich draußen vor der Kirche zu hören war – ein Wahnsinn. Energiegeladen ging es weiter mit zwei Kurtág-Stücken, die beide nur wenige Minuten dauerten, dann aber äußerst geschickt mit der folgenden Sonate in D-Dur BWV 1028 von Bach verwoben wurden. Überhaupt war es eine spannende Auswahl von Stücken, die das ganze musikalische Können der beiden sympathischen Künstler zeigten. Es herrschte eine geradezu magische Atmosphäre in der wunderbaren Kirche, die das schlechte Wetter zumindest für den Moment vergessen ließ.

In der Pause wurden alle kurzfristig wieder vom ostfriesischen Sommer eingeholt, denn pünktlich zu deren Beginn setzte der Regen wieder ein, sodass unser gastronomisches Angebot durch die „Haasen“ fast ins Wasser fiel. Glück hatten die Teilnehmer des Streifzuges durch die Osterburg Groothusen, einem tollen, geschichtsträchtigen Ort. Die Besitzerin Dorothea Kempe gewährte einen Blick ins Innere der letzten von ursprünglich drei Burgen und auf die berühmten goldledernen Tapeten, bevor die Besucher durch das denkmalgeschützte Gehölz im Park geleitet wurden.

Zum Abschluss gab es nach der Pause erneut zwei Werke von Kurtág, die danach in Brahms‘ Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 in e-Moll op. 38 mündeten. Erneut ließ sich das Publikum von Julian Arp am Cello und Caspar Frantz am Klavier mitreißen. Die beiden fühlten sch wiederum von den begeisterten und fachkundigen Zuhörern beflügelt. Nach der Zugabe, für die sie noch einmal alles gaben, inklusive eines Sprints zum Gemeindehaus um die Noten zu holen, gab es kein Halten mehr. Enorme Beifallsstürme erfüllten die die voll besetzte Kirche.

Duo Arp/Frantz, Foto: Karlheinz Krämer

Duo Arp/Frantz, Foto: Karlheinz Krämer

Reformierte Kirche Groothusen

Reformierte Kirche Groothusen, Foto: Karlheinz Krämer

Reformierte Kirche Groothusen, Foto: Karlheinz Krämer

Die Kirche in Groothusen war für uns eine der neuen Entdeckungen dieses Jahres. Die Krummhörn hat wirklich viele, wunderschöne Gotteshäuser zu bieten, von denen wir längst noch nicht alle gesichtet haben.
In Groothusen kam noch dazu, dass wir unglaublich herzlich empfangen wurden und uns eine große Hilfsbereitschaft und ein Hunger nach Kultur entgegengebracht wurde. So freuen wir uns also auf das dortige Debüt der Gezeitenkonzerte mit dem Duo Arp / Frantz am 28. Juni 2013 um 20:00 Uhr.

Groothusen
Nähert man sich von Greetsiel aus Groothusen, dann kann man seine ursprüngliche Form als lang gezogene Siedlung noch gut erkennen. Der Ort war eine Handelsniederlassung auf einer Wurt, der über die inzwischen verlandete Sielmönkener Bucht Zugang zum Meer hatte. Weiterlesen