Fenster, Türen, Wintergärten

Klaviertrio-Konzert bei Pollmann & Renken in Aurich-Schirum

Meenke Pollmann bei der Begrüßung zum vorletzten Gezeitenkonzert

Meenke Pollmann bei der Begrüßung zum vorletzten Gezeitenkonzert

Ein weiterer, besonderer Spielort der Gezeitenkonzerte tat sich vor mir auf, als ich im Team-Bully auf das Betriebsgelände im Gewerbegebiet etwas südlich von Aurich gefahren wurde. Pollmann & Renken – eine Firma, die sich mit dem Verkauf von Fenstern, Türen und Wintergärten beschäftigt und dafür ein eigenes Gebäude mit entsprechend viel Ausstellungsfläche belegt. Für unser Konzert, das vorletzte der diesjährigen Festspielsaison, wurden Ausstellungsflächen frei geräumt und die Fläche bestuhlt, zum zweiten Mal nach 2014. Zweihundert Besucher fanden Platz, auch auf der Galerie wurde eine Stuhlreihe eingerichtet. Die Einspielprobe der drei Musiker ließ bei „trockener“ Akustik (Nachhall: quasi nicht messbar) einen musikalisch aufregenden Abend erwarten. Schöne und kurze Begrüßungsreden von Firmeninhaber Meenke Pollmann und Landschaftspräsident Rico Mecklenburg, dann begann die Musik.

Fenster

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Lilit Grigoryan im intensiven Zusammenspiel mit Andrei Ioniţă, Foto: Karlheinz Krämer

Sergej Rachmaninoff schrieb sein erstes, einsätziges Klaviertrio (in g-Moll, „Trio élégiaque“) 1892, also ein Jahr vor dem Tod von Peter Tschaikowsky. Wie sehr er den Mentor schätzte, ließ er der Nachwelt im Folgejahr wissen, als er dann zu seinen Ehren sein großes, zweites Klaviertrio komponierte. Das erste enthält tatsächlich noch mehr Reminiszenzen an Tschaikowskys Musik, als ich beim bisherigen Hören wahrgenommen hatte. Motive aus der fünften Sinfonie schimmern durch, andere Floskeln sind einfach nur typisch – als ob sich ein Fenster zu Tschaikowskys Musikwelt geöffnet hätte. Dass es sich um ein (opuszahlfreies) Frühwerk handelt, merkt man an der unausgeglichenen Aufteilung der drei Instrumente, denn es kam immer wieder zu Episoden, die wahlweise einer Violin- oder einer Cellosonate gut zu Gesicht gestanden hätten. Ein wirkliches Klaviertrio ist das „Trio élégiaque“ noch nicht – vielleicht blieb es auch deshalb ein einsätziger Versuch. Weiterlesen

Kalinka, Kalinka!

Alexandra Conunova (Violine), Andrei Ioniță (Violoncello) und Lilit Grigoryan (Klavier) in Aurich-Schirum

Alexandra Conunova, Lilit Grigoryan und Andrei Ioniță

Alexandra Conunova, Lilit Grigoryan und Andrei Ioniță

Vor dem großen Showdown am 14.08. (heute!!) begeben sich die Gezeitenkonzerte noch einmal back to the roots: Kammermusik an ungewöhnlichen Spielorten. Gestern waren wir in der Ausstellung der Firma Pollmann & Renken zu Gast. Der Raum war für ein Klaviertrio ideal: groß und sehr tragfähig, selbst oben kam noch alles super an. Wenn man sich stinkende Scheinwerfer (allerdings von uns) vor der eigenen Nase wegdenkt, ist es richtig heimelig-angenehm und man hat an den vielen Türen einiges zu gucken. Weiterlesen

Drei brillante Pianistinnen bei NDR Kultur

Maria João Pires und Lilit Grigoryan beim Gezeitenkonzert in der Neuen Kirche Emden, Foto: Karlheinz Krämer

Maria João Pires und Lilit Grigoryan beim Gezeitenkonzert in der Neuen Kirche Emden, Foto: Karlheinz Krämer

Manch einer von denen, die dabei waren, hat sich vermutlich gewundert, dass ein paar Stücke aus den beiden Gezeitenkonzerten in der Neuen Kirche Emden noch nicht bei NDR Kultur gesendet wurde. Morgen, am Himmelfahrtstag, ist es endlich soweit: Unter dem Titel „Drei Pianistinnen“ wird am 5. Mai auf NDR-Kultur von 18:00 bis 20:00 Uhr der noch ausstehende Part des Mitschnittes der beiden Gezeitenkonzerte mit Anna Vinnitskaja, Lilit Grigoryan und Maria João Pires. Weiterlesen

Nachsitzen mit den „Neuen Bahnen“

Am Sonntag waren um 11 Uhr auf NDR Kultur zwei Gezeitenkonzerte des vergangenen Festivals zu hören. Lilit Grigoryan war einmal mit Anna Vinnitskaya und einmal mit ihrer Mentorin Maria João Pires zu hören. Doch warum zwei Konzerte? Maria João Pires war zum ursprünglichen Konzerttermin erkrankt, für sie sprang Anna Vinnitskaya spontan ein. Doch auch dieses Konzert konnte wegen einer Autopanne fast nicht stattfinden. Diese Geschichte, im Radio so locker erzählt, treibt einigen Kollegen heute noch den Schweiß auf die Stirn. Doch zurück zum Konzert aus der Neuen Kirche.

Anna Vinnitskaya, Foto: Karlheinz Krämer

Anna Vinnitskaya, Foto: Karlheinz Krämer

Zunächst brachte Anna Vinnitskaya die „Kinderszenen“ von Schumann zu Gehör. Besonders beeindruckt hat mich der Ausdruck der Pianistin, sofort hatte ich bei jedem Stück Bilder vor Augen. Dieser Vortrag erscheint noch unglaublicher, wenn man bedenkt, dass sie spontan – erst am Vortag gefragt – für Maria João Pires eingesprungen ist. Eine solche Nervenstärke muss man erst einmal haben. Wir Amateure bereiten uns manchmal über ein halbes Jahr auf solche Auftritte vor. Im Interview sagt sie sogar, dass ihr die spontanen Konzerte eigentlich doch die liebsten seien. Im Vorfeld hatte sie gerade mal 30 Minuten Zeit, die Akustik in einem vollkommen unbekannten Raum auf einem unbekannten Flügel zu testen. Auch wenn viele Instrumente gleich aussehen, lässt sich jedes auf seine eigene Weise bespielen.

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Im Zentrum die Musik

Maria João Pires und Lilit Grigoryan beim Gezeitenkonzert in der Neuen Kirche Emden, Foto: Karlheinz Krämer

Maria João Pires und Lilit Grigoryan beim Gezeitenkonzert in der Neuen Kirche Emden, Foto: Karlheinz Krämer

Es ist die Musik, nicht der Interpret, der im Vordergrund stehen soll. Das klingt ein wenig idealistisch, aber auch sehr bescheiden, denn erst der Interpret kann doch die Musik zum Leben erwecken. Es geht also um die Musik, die es zu verstehen, zu präsentieren, zu leben gilt. Maria João Pires (71), eine der berühmtesten Pianistinnen unseres kleinen Planeten, stellt sich in den Dienst der Musik. Und damit gegen alles und jeden, der Musik zweckentfremden, vermarkten oder zur Selbstinszenierung nutzen will. Mit der Musikindustrie will sie nichts mehr zu tun haben. Der sicherlich hochdotierte Plattenvertrag ist gekündigt, die Konzerte werden seltener, doch die Begeisterung und die Demut vor der Großartigsten aller Künste ist geblieben. Der Besuch des Gezeitenkonzertes in der Neuen Kirche Emden mit Lilit Grigoryan und Maria João Pires war daher ein Pflichttermin. Weiterlesen

Maria João Pires kommt!

Photo 4 Credit Felix Broede Deutsche GrammophonNachdem sie zu Beginn des Festivals ihren Auftritt bei den Gezeitenkonzerten aus Krankheitsgründen absagen musste, hat sie gleich signalisiert, dass sie den Termin möglichst noch während des Festivals nachholen möchte. Nun steht fest, dass die großartige Pianistin Maria João Pires gemeinsam mit Gipfelstürmerin Lilit Grigoryan am 4. August 2015 um 20:00 Uhr in der Neuen Kirche Emden ihr Gezeitenkonzert nachholen wird. Weiterlesen

Was für ein Konzert

Dramatische Vorgeschichte

Endlich angekommen: Anna Vinnitskaya beim Einspielen, Foto: Karlheinz Krämer

Endlich angekommen: Anna Vinnitskaya beim Einspielen, Foto: Karlheinz Krämer

Am Samstag sollte ja nun kurzfristig die 32-jährige Pianistin Anna Vinnitskaya für die erkrankte Maria João Pires einspringen. Alles war vorbereitet, der NDR baute ab mittags in der Neuen Kirche auf. Morgens war klar, Anna kommt mit ihrem Mann mit dem Auto aus Hamburg. Nachmittags erreichte uns ein Anruf: Das Auto hatte eine Panne und konnte mit der defekten Lichtmaschine nicht weiterfahren. Weiterlesen

Nach der Ebbe kommt die Flut

Motiv Gezeitenkonzerte 2012, Foto: Karlheinz Krämer

Motiv Gezeitenkonzerte 2012, Foto: Karlheinz Krämer

Viele mögen sich wundern, warum es im Gezeitenblog derzeit so ruhig geworden ist. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass im Oktober viele Fristen bei Sponsoren auslaufen. Und da wir ja auch im kommenden Jahr wieder herausragende Künstler und spannende Gipfelstürmer in die Gezeitenkonzerte einbinden möchten, bedeutet das für uns: Konzepte erstellen (mal lang, mal kurz), über Kosten- und Finanzierungsplänen brüten, nach Möglichkeit zwischendurch auch schon mal ein paar Künstler und die passenden Orte dazu anfragen und ganz nebenbei die normale Arbeit im Landschaftsforum mit zu erledigen. Natürlich erreichen uns auch viele Anfragen von Agenturen und Künstlern, die sich beworben haben. Viele davon müssen wir leider auf die Folgejahre vertrösten, da wir Unmengen (!) an Anfragen bekommen und Matthias Kirschnereit als künstlerischer Leiter natürlich auch eigene Ideen hat und verfolgen möchte! Zum Bloggen bleibt dann schlicht und ergreifend manchmal leider nur wenig Zeit übrig. Dabei freuen wir uns richtig auf Abwechslung mit der Kabarettveranstaltung „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie!“, die am kommenden Freitag im Forum stattfindet und mal etwas ganz anderes ist, als das, was wir bei den Gezeitenkonzerten geboten bekommen.

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Don’t stop ‚til you get enough

Die Lange Nacht der Gipfelstürmer I

vision string quartet, Foto: Karlheinz Krämer

vision string quartet, Foto: Karlheinz Krämer

Zum Beispiel das Vision String Quartet. Wer heute gut sein will, spielt nicht nur die Klassiker einwandfrei und frisch, sondern wird selbst aktiv. Dann bedient man sich mal rotzfrech der deutschen Nationalhymne und lässt sie in nationale Disharmonie abkippen. Oder bearbeitet Schuberts „Erlkönig“ fürs Streichquartett und kann einfach alles von Jazz bis Klassik. Für Beethovens Streichquartett Nr. 7 F-Dur gibt es fünf Minuten Standing Ovation. Mancher sah da schon das Solokonzert 2015…

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Die erste Lange Nacht der Gipfelstürmer 2014

Janka Simowitsch und Emanuel Jessel, Foto: Karlheinz Krämer

Janka Simowitsch und Emanuel Jessel, Foto: Karlheinz Krämer

Nach dem großen Erfolg der Langen Nacht der Gipfelstürmer bei den Gezeitenkonzerten 2013 haben wir in diesem Jahr gleich zwei davon ins Programm aufgenommen. Beide waren relativ schnell ausverkauft. Am Samstagabend war es soweit. Nachdem sich die Gezeitenkonzerte über Tag am Auricher Projekt „Kulturhäppchen“ beteiligt hatten, indem sie Neugierige einluden, sich die Vorbereitungen im Ständesaal und im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft anzuschauen, ging es um 18:00 Uhr los. Leider fing es pünktlich zum Start des Caterings eine Stunde vor Konzertbeginn an zu regnen, was für die Stimmung leider nicht sehr zuträglich war. Das war zwar schade, aber glücklicherweise diente unser Zeltdach im Landschaftsgarten auch als Regenschutz, unter dem auch das Team von Thiele und Freese mit seinem Tee-Stand – unschlagbar bei nicht-sommerlichen Temperaturen und Regen – Zuflucht fand.

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