Zum Klingen gebracht

Christina Fassbender (Flöte) und Jana Bousková (Harfe) bei ihrem Gezeitenkonzert in Völlen, Foto: Karlheinz Krämer

Christina Fassbender (Flöte) und Jana Bousková (Harfe) bei ihrem Gezeitenkonzert in Völlen, Foto: Karlheinz Krämer

Wenn der künstlerischer Leiter eines ostfriesischen Kammermusikfestivals zwei Musikerinnen-Persönlichkeiten kennt, die mit ihren Instrumenten große Kunst darbieten können und sich wahrscheinlich als Duo eignen, heißt das für Matthias Kirschnereit: Ausprobieren! Ihm war sowohl die Harfenistin Jana Boušková als auch die Flötistin Christina Fassbender bekannt, und er stellte sich vor, daß das ein überzeugendes Miteinander werden würde. Tatsächlich: In der Kirche zu Völlen gaben die beiden nun ein gemeinsames Gezeitenkonzert, nachdem die sich erst einen Tag zuvor zum ersten Mal in ihrem Leben getroffen hatten. Das Publikum in Völlen fragte bereits nach CD-Aufnahmen von den beiden (zitiert nach Hopf, Simon: „Goldene 45 Minuten Unterricht“. Die Gezeitenblogbeiträge. Aurich 2014) …

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Atemlos

Florian Donderer, Matthias Kirschnereit und Tanja Tetzlaff beim Gezeitenkonzert in der Neuen Kirche Emden, Foto: Karlheinz Krämer

Florian Donderer, Matthias Kirschnereit und Tanja Tetzlaff beim Gezeitenkonzert in der Neuen Kirche Emden, Foto: Karlheinz Krämer

In einem Anfall von spontaner Verzweiflung über die ewig dahinsiechende Zeit und das Vergängliche allen Seins, diesen Scheiß des Daseins, dachte ich, dass dieser Stumpfsinn nur mit der Schönsten aller sogenannten Künste zu bekämpfen sei, der MUSIK, und ging ins Gezeitenkonzert, um vor der allgegenwärtigen Dummheit und Helene Fischer zu fliehen, und hörte mir Kammermusik an; Dvorák, Smetana, Janácek, Kodály, die Auswahl programmierte vorab eine Reise in den Osten, der so unendlich weit weg war, und als Florian Donderer, der große Konzertmeister der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, molto esspressivo das heftig schöne Thema aus dem ersten Satz der romantischen Stücke op. 75 spielte, war es zum Dahinschmelzen, jawohl, zum Dahinschmelzen, das sei an dieser Stelle auch allen David Garrett Fans gesagt, das echte Dahinschmelzen funktioniert nur mit überzeugend dargebotener Musik, und was Florian Donderer aus diesen so schlicht volkstümlich böhmischen Melodien machte, war fern alles Platten; als Beweis reichten die letzten zwei Takte des Larghetto, das die seufzend schöne slawische Romantik im kaum hörbaren „d“ in ppp beschließt, und wie Kirschnereit und Donderer allein nur die Dimensionen dieser letzten beiden Takte im maximalen Piano ausloteten,

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