TONALi-Tour Auftakt in Norden

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Schülermanagerin Malin macht die Begrüßung Foto: Reinhard Former
Schülermanagerin Malin macht die Begrüßung
Foto: Reinhard Former

Am 11. Mai war es endlich soweit: Morgens um 08:00 Uhr brachen meine Kollegin Wiebke Schoon und ich mehr oder weniger ausgeschlafen zum ersten Schulkonzert an der KGS Hage-Norden auf. Den Weg fanden wir zu unserer eigenen Überraschung ohne Probleme, und so waren wir bereits um kurz vor neun in der Wildbahn in Norden und bereit zu helfen.

Aber auch das war nicht nötig, denn die Schüler hatten alles perfekt organisiert. Eine Bühne mit Technik war aufgebaut, die Mensa der Schule war bestuhlt und vorbereitet und das gesamte Gebäude war plakatiert. Nachdem wir also das TONALi Roll-Up aufgestellt und die Werbung für die Gezeitenkonzerte verteilt hatten, blieb für uns nichts mehr zu tun als zu warten.
Gegen viertel vor zehn trudelten dann schon die ersten Schüler ein, zu unserer Überraschung aus den Jahrgängen 5-7. Für meine Begriffe sahen die alle viel älter aus. Nach einer kurzen Einleitung einer Schülermanagerin begann der Künstler, Cellist Christoph Heesch, wortlos mit einem Stück von Johann Sebastian Bach. Himmlische Musik, keine Frage.

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Kurz vor Beginn des Schulkonzerts ist der Saal bereits voll. Foto: Reinhard Former

Doch war dies auch das Richtige für diese Zielgruppe? Im ersten Moment hatte ich Bedenken. Doch die verflogen sofort, als Christoph nach seiner ersten Darbietung das Publikum begrüßte und sein Instrument vorstellte. Dass es ein Cello war, erkannten die allermeisten noch. Dann wurde gefragt, wie teuer das Instrument wohl sei. Bei den ersten Schätzungen der Schüler („1000 €!“) musste ich ein wenig lachen. Doch Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall, denn ich lag mit meiner Annahme von 50.000€ genauso daneben wie alle anderen. Dieses fast 400 Jahre alte Cello ist tatsächlich 650.000 wert. Zum Vergleich: Ein gebrauchter Steinway-Flügel kostet circa 60.000€. Das haute die meisten im Saal schon mal vom Hocker.

Weiter ging es mit einem Stück vom modernen ungarischen Komponisten Ligeti. Darin, so Christophs Erklärung, wird vom Dialog zwischen dem jungen, frisch verliebten Ligeti (die tiefe Stimme) und seiner Angebeteten (die hohe Stimme) erzählt.

Das 650.000-Euro-Cello, Foto: Reinhard Former
Das 650.000-Euro-Cello, Foto: Reinhard Former

Der Künstler erzählte, dass er sich neben familiären Zwängen auch für das Cello entschieden hat, da es in seinem Ausdruck und seinen Klangfarben der menschlichen Singstimme am nächsten kommt. Als Geiger wollte ich dabei sofort auf die Königin der Nacht verweisen, doch das Ligeti-Stück gab ihm recht. Irgendwie konnte ich mir das romantische Gespräch sofort vorstellen. Im Anschluss daran demonstrierte Christoph sein virtuoses Können mit einem spanischen Tanz. Danach waren die Schüler dran und konnten Fragen stellen. Die besondere Atmosphäre eines Schulkonzertes macht sich hierbei bezahlt, denn die meisten der Fragen dürften in einem anderen Umfeld gar nicht auftauchen. Hier einige Beispiele: „Willst du das mal beruflich machen?“, „Spielst du gut?“ oder auch „Wo hast du das Geld für das Cello her?!“

Christoph Heesch, Foto: Reinhard Former
Christoph Heesch, Foto: Reinhard Former

Selbst auf die ein wenig freche Frage (die mich in dem Alter aber auch brennend interessiert hätte), warum er denn immer so komisch gucken und mit seinem Kopf rucken würde, wusste der Künstler eine Antwort: Weil einen die Musik in eine andere Welt entführt und man quasi nicht anders als sich so zu bewegen. Da waren die Kinder erstmal beeindruckt. Das knapp halbstündige Konzert endete mit dem launigen Stück „Julie-O von Mark Summer (geb. 1988) und tosendem Applaus. Bei der anschließenden Autogrammstunde hatte der arme Künstler kaum Luft zum Atmen und wir immer mehr die Sorge, dass die über Nacht gedruckten Karten nicht reichen würden. Auch die Flyer und Programme für die Gezeitenkonzerte wurden uns quasi aus den Händen gerissen. Auf einmal schien unser Gewinnerpreis, ein Besuch des Abschlusskonzerts in dem „Reiterhof“ in Bunderhee nicht mehr nur wegen der Pferde interessant. Bei der anschließenden Wiederholung des Konzerts für die älteren Schüler bot sich ein ähnliches Bild. Lustigerweise tauchten hier fast die gleichen Fragen auf. Das Fazit dieses Tages zog einer der Schülermanager für mich besonders treffend. „Klassik kann man sich wohl mal geben“. Fasziniert waren sie auf jeden Fall, ein Lehrer verriet mir, dass er seine Schützlinge noch nie so ruhig erlebt hätte.

Besondere Lust wurde bei uns und hoffentlich auch bei den teilnehmenden Schülern auf das abschließende Triokonzert am 25. Mai um 18:00 Uhr in der Kirche zu Münkeboe geweckt. Dort werden nicht nur Christoph Heesch, sondern auch die Violinistin Johanna Ruppert und die Pianistin Kiveli Dörken zu erleben sein. Die beiden werden am Freitag noch ihr Schulkonzert in der IGS Marienhafe beziehungsweise in der Realschule in Dornum geben. Am 25. Mai werden dann alle drei zusammen zu hören sein. Das Triokonzert wird, ebenso wie die Schulkonzerte, von den Schülern mitorgansiert, vor allem durch den Kartenverkauf an die Mitschüler. Neben vielen jungen Menschen sind Sie uns natürlich ebenso herzlich willkommen! Karten dafür können Sie für nur 5 € entweder bei den teilnehmenden Schulen oder bei uns unter 04941 1799-67 bekommen.

 

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