Von der Metropole in den Festsaal

Schloss Gödens, Gezeitenkonzert 2014, Foto: Karlheinz Krämer

Schloss Gödens, Gezeitenkonzert 2014, Foto: Karlheinz Krämer

Eigentlich sollte hier ein humorvoller Text stehen. Nach dem Gezeitenkonzert am Sonntag im Schloss Gödens mit dem Trio Machiavelli wollte ich, als bekennender Fan der britischen Serie Downton Abbey, das Konzert aus der ironischen Perspektive eines adeligen Besuchers schildern. Die einzigartige Kulisse, die einen in eine andere Zeit versetzt, bietet das an. Als wir am Sonntag nach Hause fuhren, gespannt auf das Fußball-Finale und beseelt von der tollen Atmosphäre und dem guten Konzert, wussten wir jedoch noch nichts vom tragischen Tod von Karl-Georg Graf von Wedel. Die Zeitungen berichteten am Montag.

Warten auf den Konzertbeginn vor dem Rittersaal von Schloss Gödens, Foto: Karlheinz Krämer

Warten auf den Konzertbeginn vor dem Rittersaal von Schloss Gödens, Foto: Karlheinz Krämer

So wird der Rückblick auf das Konzert von dieser Nachricht überschattet. Aus Chronistenpflicht wollen und müssen wir aber kurz über das Musikalische berichten. Nach dem regnerischen Nachmittag klarte der Himmel zu Konzertanfang etwas auf, so dass die Regenschirme größtenteils nicht zum Einsatz kamen. Haase Catering hatte in der Eingangshalle aufgebaut, während sich die Musiker im frisch renovierten, wunderbar gepflegten Rittersaal einspielten. Was ein lustiges Unterfangen war, denn draußen summten die Papageien bei Tschaikowsky mit. Ein Grund, warum die Fenster während des Konzertes geschlossen bleiben mussten, auch wenn es ganz schön warm wurde.

Das Trio Machiavelli, bestehend aus der ARD-Preisträgerin und Pianistin Claire Huangci, Solenne Paidassi (Violine) und Tristan Cornut (Violoncello, ebenfalls ARD-Preisträger) startete mit einem Klaviertrio von Leonard Bernstein aus dem Jahr 1937. Ein wildes Stück, das wie eine Mindmap Tradition, studentischen Übereifer und große Komik risoluto miteinander verknüpft. Im Renaissance Ambiente des Saales wirkte der Kontrast ab der ersten Note. So klang die urbane Aufbruchsstimmung des Stückes wie ein weit entferntes Echo aus der Metropole, das hier in der heimeligen Atmosphäre dennoch scharf, witzig und konzentriert eintraf. Mit viel Verve legten sich die Gipfelstürmer ins Zeug und präsentierten sich als lockere, aber sehr konzentrierte Künstler.

Gipfelstürmer "Trio Machiavelli" beim Gezeitenkonzert im Rittersaal von Schloss Gödens, Foto: Karlheinz Krämer

Gipfelstürmer „Trio Machiavelli“ beim Gezeitenkonzert im Rittersaal von Schloss Gödens, Foto: Karlheinz Krämer

Auch bei Beethovens Klaviertrio G-Dur op. 1/2 geht es bisweilen komisch zu, vor allem im Finale. Abgesehen vom schwelgenden Largo con esspressione rasen die drei Musiker durch die Noten, lassen fast alle Wiederholungen aus. Der Aufführung kommt das sehr zu Gute. Natürlich ist der Zeitplan bis zum Fußball-Finale knapp bemessen. Doch das Stück leidet nicht. Vielmehr bringen sie alles auf den Punkt.

Die Pause verbrachte das Publikum flanierend in der großen Gartenanlage. Pünktlich begann die zweite Hälfte. Immerhin hatten die Künstler ihren Zug in Oldenburg zu erwischen und der Rest wollte ganz gerne ein bestimmtes Fußballspiel sehen. Dieser Wunsch trat für die nächsten 45 Minuten in den Hintergrund. Mit Tschaikowskys einzigem Klaviertrio in a-Moll op. 50 stand ein Stück auf dem Programm, das die elegischen Weiten sucht. Eigentlich hatte der Komponist niemals ein Klaviertrio schreiben wollen. Die Zusammensetzung sei ihm zuwider, schrieb er mehrmals und ließ sich über das Klaviertrio aus. Wenig später schrieb er dann doch eins. Gewidmet ist es einem Freund, Nikolai Rubinstein. Langweilig wird es nicht, denn Tschaikowsky belebte die Form, experimentierte formal ein wenig, ohne auf die ganz großen schwelgerischen und hochromantischen Melodien zu verzichten. Für das Publikum war es ein Genuss, dem Trio Machiavelli zu lauschen, das sich nach großem Applaus mit einer kurzen Zugabe verabschiedete.

Zu Beginn hatte übrigens Hannah Janßen eine kurze Rede gehalten. Sie sprach über ihre Motivation, ein Gezeitenkonzert der Ostfriesischen Landschaft zu fördern. Dankbarkeit war eines der Schlagworte, die sie benutzte. Dankbarkeit gegenüber der besonderen Leistung von Musikern wie dem Trio Machiavelli. Das Publikum und wir waren dankbar, dass Frau Janßen dieses Konzert ermöglicht hat.

Gödens, Foto: Karlheinz Krämer

Gödens, Foto: Karlheinz Krämer

 

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