Weltklasse!

Grigory Sokolov bei seinem zweiten Gezeitenkonzert in Leer, Foto: Karlheinz Krämer

Sonst in den großen Konzerthäusern der Welt zu Gast, beehrte uns „der größte noch aktive Pianist unserer Tage […]“ (Die Welt), Grigory Sokolov, nach 2015 bereits zum zweiten Mal bei den Gezeitenkonzerten. Wie vor zwei Jahren, spielte der Ausnahmemusiker vor ausverkauften Haus im Theater an der Blinke in Leer. Wer zu den 750 Glücklichen zählte, die sich im Vorfeld eine Karte sichern konnten, durfte zwei Stunden lang Sonaten von Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven lauschen. Wie üblich und zur Freude der Konzertbesucher, gab Grigory Sokolov sechs Zugaben mit Werken von Schubert, Schumann, Rameau und Chopin und bereite dem Publikum noch 30 Minuten zusätzlichen Genuss.

Ich selber konnte leider erst nach der Pause mit einsteigen, was meine Begeisterung allerdings nicht schmälern sollte.

Fast so, als wäre ihm die ganze Aufmerksamkeit ein wenig unangenehm, huschte der Pianist mit wehendem Frack auf die Bühne, verneigte sich kurz und versank dann direkt in Beethovens Klaviersonate Nr. 27 e-Moll op. 90. Das Publikum wurde schlagartig so mucksmäuschenstill, dass ich das Gefühl hatte, das Schreibgeräusch meines Kugelschreibers halle durch den ganzen Saal. Übertroffen wurde das Werk nur noch durch die monumentale Klaviersonate Nr. 32 c-Moll op. 111. Ich frage mich noch immer, wie viele Seiten Noten Herr Sokolov im Kopf haben muss, immerhin spielt er jedes dieser Werke (wie auch jedes andere) auswendig und angesichts der Sechzehntel- und Zweiunddreißigstel-Flut müssen es eine Menge gewesen sein! Zeit zum Verschnaufen ließ der Pianist dem Konzertpublikum zwischen den Sätzen kaum, und da auch zwischen den beiden Sonaten nicht geklatscht wurde, entlud sich die Spannung erst ganz am Ende des Konzerts, dafür aber mit umso größeren Begeisterungsstürmen. Aber wie kann man Mozart und Beethoven interpretiert vom wohl großartigsten und bedeutendsten Pianisten unserer Zeit auch nicht lieben? Zum Glück schaffte ich es im ganzen Freudentaumel, den richtigen Moment der Geschenkübergabe zu finden (vor den sechs obligatorischen Zugaben). Und ich meine in dem Moment sogar ein kleines, vorsichtiges Lächeln auf seinem Gesicht erkannt zu haben…

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