Der Meister beim Gezeitenkonzert in Leer: Grigory Sokolov

Grigory Sokolov (c) AMC Verona

Grigory Sokolov (c) AMC Verona

In Zusammenarbeit mit dem Verein junger Kaufleute Leer e. V. und gefördert von Frisia Möbelteile freuen wir uns sehr darauf, dass Grigory Sokolov am 24. Juli 2015 ein Gezeitenkonzert im Theater an der Blinke in Leer gibt. Für 2014 musste der große Meister uns kurzfristig absagen, da sich ein bereits zugesagter Termin in Frankreich im Kalender unsichtbar gemacht hatte.

Für viele, so auch für den künstlerischen Leiter der Gezeitenkonzerte Matthias Kirschnereit, ist Sokolov einer der bedeutendsten Pianisten unserer Zeit. Viele schwärmen von seinem Vermögen, sein Publikum in seinen Bann zu ziehen und zu verzaubern. Man bereitet sich ja ein wenig auf „seine Künstler“ vor, liest das eine, hört das andere und macht sich ein Bild und ist gespannt, ob sich der eigene Eindruck bestätigt. Vielfach wird der kantable Klang seines Spiels beschrieben, ebenso wie die Leidenschaft, die Energie und Virtuosität. Aber nicht alle lieben ihn – eine ältere Dame aus unserem Publikum sagte uns als sie erfuhr, dass er kommt, dass sie an diesem Abend während des Festivals dann mal frei habe. Sokolov sei ihr zu technisch. Sie habe ihn einmal erlebt und das reiche. Andere wiederum fahren ihm kilometerweit zu Konzerten hinterher und bezahlen dafür teilweise in unseren Augen sehr hohe Eintrittspreise. Unsere Obergrenze liegt für Karten der Kategorie 1 voraussichtlich bei 40,00 Euro.

Eigenwillig ist er schon, der Meister. So spielt er ausschließlich auf einem Steinway-Flügel, der nicht älter sein darf als fünf Jahre. Das allein kann für viele Konzertveranstalter schon eine vernichtende Forderung sein. Was für ein Glück für uns, dass im Theater an der Blinke in Leer ein so junges Instrument steht und vor allem, dass der Verein junger Kaufleute ebenfalls großes Interesse daran hat, Grigory Sokolov nach Ostfriesland zu bekommen. Für beide Seiten ist das eine vielversprechende Zusammenarbeit.

Erste CD nach fast zwanzig Jahren
Am 16. Januar 2015 erschien nach 19 Jahren Sokolovs erstes Album bei Deutsche Grammophon, The Salzburg Recitals, eine Aufnahme von 2008 live bei den Salzburger Festspielen. 1996 erschien eine vier Jahre zuvor eingespielte Schubert-CD. Und Studioaufnahmen macht Grigory Sokolov nicht, ebenso wenig tritt er weiterhin gemeinsam mit Orchestern auf. Seine Rezitale sind jedoch einzigartig. Die Berliner Zeitung schreibt über ihn: „Dieser Mann ist Kult“. KlassikAkzente überschreibt ihre Rezension zu The Salzburg Recitals mit „Überirdisch“. Auf dieser neuen CD sind die beiden Mozart-Sonaten Nr. 2 und Nr. 12 in F-Dur, Skriabins Poèmes Nr. 1 und Nr. 2 zu hören. Im Mittelpunkt stehen die 24 Préludes von Chopin. Zum Abschluss gibt es als Höhepunkt Bachs Choral „Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ“ (Bearbeitung von Busoni).
In der Produktinformation von Deutsche Grammophon heißt es: „Sokolov ist einer der rätselhaftesten und visionärsten Künstler der Welt. Der 1950 in Leningrad geborene, international gerühmte russische Pianist ist bekannt für sein umfassendes musikalisches Können, die unendliche Vielfalt und Subtilität seines Tons und die spirituelle Tiefe seines Musizierens. Das Publikum bejubelt ihn in ausverkauften Konzerten.“
Grigory Sokolovs Klavierspiel bewegt sich mehr und mehr im intergalaktischen Raum. Längst ist der russische Pianist sein eigenes Universum …“ (Salzburger Nachrichten)

Und sein Leben?

Grigory Sokolov (c) AMC Verona

Grigory Sokolov (c) AMC Verona

Grigory Sokolov wurde vor 64 Jahren in Leningrad in eine musikalische Familie hineingeboren und begann im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierspiel. Als 16-Jähriger gewann er neben dem Chopin-Wettbewerb auch die Goldmedaille des Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerbs, dem weltweit bedeutendsten Klavierpreis. Eine beeindruckende Karriere in der Sowjetunion schloss sich an. Darüber war es ihm nur selten möglich, den Eisernen Vorhang hinter sich zu lassen, was seinem Bekanntheitsgrad außerhalb nicht gerade förderlich war. Erst seit Ende der 80er-Jahre tritt er regelmäßig auch auf den westlichen Bühnen der Welt auf und gehört zu den wenigen Pianisten, die von den großen europäischen Konzertsälen regelmäßig jede Saison eingeladen werden. Musik ist für ihn ein besonderes Gut, an dem er zwar sein Publikum teilhaben lässt, jedoch sein Wissen zum Beispiel nicht durch Meisterkurse weitergibt. 2010 wurde ihm vom Klavierfest Ruhr der „Ehrenpreis für seine außerordentlichen Leistungen“ verliehen.

Was uns in Leer erwartet
Grigory Sokolov spielt jedes Jahr zwei Programme. Von Januar bis August 2015 ist in München, Zürich, Hamburg, Berlin, Heidelberg, Tübingen und Leer Bachs Partita Nr. 1 in B-Dur, Beethovens Sonate Nr. 7 in D-Dur op. 10 Nr. 3 und Schuberts Klaviersonate a-Moll D 784 zu hören. In Leer erwarten uns abschließend auch noch Schuberts Moments musicaux D 780. Bekannt ist der „größte lebende Pianist“ (Londoner Tageszeitung The Independent) dafür, dass er viele Zugaben gibt. Beim Konzert bei den Salzburger Festspielen waren es sechs! Man darf gespannt sein!

Empfehlenswert für eine eigene Vorbereitung auf Grigory Sokolov ist der Artikel im aktuellen Fono Forum (Ausgabe Februar 2015).