Fulminates Ende mit dem Fusion Duo

Fusion Duo

Fusion Duo mit Maxine Troglauer und Vanessa Porter, Foto: Karlheinz Krämer

„Mit [fast] Pauken und Trompeten“ ging die Spielzeit 2018 der Gezeitenkonzerte zu Ende. Denn auch wenn weder die Pauken, noch die Trompete am vergangenen Wochenende zum Instrumentarium von Maxine Troglauer und Vanessa Porter gehörten, so stammten die Instrumente zumindest aus den jeweiligen Familien.
Das Fusion Duo war am vergangenen Wochenende zu Gast bei den Gezeitenkonzerten 2018. Sie beendeten damit die diesjährige Konzertsaison endgültig.

Mit unzähligen Taschen, in denen das Schlagwerk von Vanessa verpackt war, reisten die beiden Preisträger des deutschen Musikwettbewerbs am Freitagmittag an. Nach einem etwas komplizierten Aufbau durften wir schon am Nachmittag eine kleine Kostprobe für das Konzert am Abend im Landschaftsforum in Aurich genießen. Schlagzeug und Bassposaune ist ja wirklich eine sehr ungewöhnliche Instrumentenkombination, die man nicht alle Tage zu hören bekommt.
Ein Programm für diese Konstellation zu finden, stelle ich mir aufgrund dessen auch nicht ganz leicht vor. Doch möglich ist es! Abgesehen von 3 Inventionen von Johann Sebastian Bach, standen ausschließlich moderne Werke auf dem Programm.
Aus diesem Grund verlief der Vorverkauf für das Konzert im Landschaftsforum etwas schleppend. Doch im Endspurt klingelte unser Telefon doch immer wieder, sodass die Konzerte an beiden Konzertabenden nahezu ausverkauft waren.
Die beiden Musikerinnen wunderten sich, wie voll der Publikumsraum letztendlich war, denn normalerweise finden sich nicht so viele Begeisterte und Interessierte für derartige Konzerte. Doch genau diese Neugier und Offenheit ist es, was unser ostfriesisches Publikum auszeichnet.

Das Konzert

Maxine Troglauer, Foto: Karlheinz Krämer

Belohnt wurden alle Zuhörer dafür mit einem unglaublichen Konzert. Mit Night Tide von Howard Buss begann der Abend wie aus dem Nichts. Ein leiser Wirbel erklang auf dem Marimbaphon und Posaunenklänge drangen aus dem Nebenraum zu uns heran. Langsam kam Maxine spielend in den Raum und betrat die Bühne. Auch wenn dieses erste Stück nicht in der traditionellen Tonalität erklingt, ist es doch sehr eingängig und nicht, wie ich Neue Musik oft empfinde, nervig oder anstrengend für den Zuhörer. Im Anschluss begrüßten uns die beiden Musikerinnen persönlich und moderierten selbstständig durch den Konzertabend, was ich sehr beeindruckend finde!

Nach zwei für dieses Ensemble bearbeitete Inventionen von J.S. Bach, spielte das Fusion Duo von Daniel Schnyder die Sonate für Bassposaune und Klavier, hier in Bearbeitung für Marimba und Percussion. Hier wurden alle Register der Posaune gezogen. Virtuose Passagen erklangen im Wechsel mit Jazz-angehauchten ein wenig „laid-back-Passagen“, die die Wahlheimat Amerika des Komponisten widerspiegeln.

Vanessa Porter

Corps a Corps mit Vanessa Porter, Foto: Karlheinz Krämer

Im Anschluss kam ein erster Höhepunkt des Konzertabends: Le Corps a Corps von Georges Aperghis, eine Komposition für Zarb und Stimme, die Vanessa allein im Schneidersitzt auf der Bühne sitzend, vortrug. A – tun – o – todooooika – ah mit Trommel. In einer unglaublichen Sprechgeschwindigkeit und Trommelrhythmen klang es für mich zunächst nach einer Hetzjagd von Affen im Dschungel. Nach ungefähr der Hälfte des Stückes glaubte ich plötzlich ein paar französische Worte herauszuhören. Mit meinen rudimentären Französischkenntnissen erschloss sich mir bei dieser Geschwindigkeit kein Sinn aus dem Gesagten. Im Nachhinein wurde aber erklärt, dass zwar die Wörter und Sätze übersetzt werden können, jedoch kein wirklicher Zusammenhang besteht. Lautmalerisch kann man eine Verfolgungsjagd aber tatsächlich sehr gut nachvollziehen.

In diesem Tempo ging das Konzert weiter. Ungewohnte, jedoch keine unangenehmen Klänge füllten den Raum und begeisterten die Zuhörer. Ich ertappe mich in letzter Zeit immer wieder, dass ich Neuer Musik mit schrägen Klängen gar nicht mehr so abgeneigt gegenüberstehe, wie noch vor einem Jahr. Liegt es tatsächlich daran, dass man sich daran gewöhnt? Mit absoluter Sicherheit kann ich das natürlich nicht beantworten, aber ich sehe inzwischen eine wirkliche Berechtigung von neuen Werken in den Konzertprogrammen. Deshalb finde ich es sehr schön, dass im Programm der Gezeitenkonzerte neben den konventionellen klassischen Werken immer wieder, wie selbstverständlich neue, unbekannte Musiken erklingen und so die Hemmschwelle zur zeitgenössischen Musik unmerklich abgebaut wird.

In diesem Sinne freue ich mich schon sehr auf die nächste Saison mit tollen Musikern und vielen intersannten Neuentdeckungen!