Mozart pur, Rossini pur, Gluck pur, Freude pur

„Mozart pur” am 8. Juli in Weener mit Volker Jacobsen (Viola), Ulf Schneider (Violine), Felix Klieser (Horn) und dem Kammerorchester des Nationaltheaters Prag

Mozart pur

Mozart pur: Felix Klieser mit dem Kammerorchester des Nationaltheaters Prag, Foto: Karlheinz Krämer

Eine von zwei ostfriesischen Kirchen, die in ihrem Innern mit einer barocken Arp-Schnitger-Orgel angeben können, ist die Georgskirche in Weener. (Die andere steht in Norden.) Sie sieht ein bisschen aus wie die Breslauer Bahnhofshalle, wie man mir fotografisch belegen konnte (Uhr, Empore, gewölbte Holzdecke), was aber durchaus positiv gemeint ist. In Weener also fand am 8. Juli das zwölfte diesjährige Gezeitenkonzert statt – „Mozart pur“ mit Werken des berühmtesten Salzburgers. Angetreten vor ausverkauftem Haus war das Kammerorchester des Nationaltheaters Prag, hier bestehend aus zwölf Streichern (4-3-2-2-1), zwei Oboen und zwei Hörnern und ohne Dirigenten.

Aber zunächst begrüßte Volker Kraft vom Kirchenrat die 540 Besucher: „Für bestimmte Dinge steht Ihnen das Gemeindehaus zur Verfügung.“ Anschließend ließ es sich Helmut Collmann, Ex-Präsident der ostfriesischen Landschaft, nicht nehmen, in seine Begrüßung ein paar Sätze in einheimischer Sprache einzuflechten, weshalb ich sie hier nicht direkt repetieren kann …

Das Kammerorchester des Nationaltheaters Prag begann mit der viersätzigen Sinfonie A-Dur KV 201, die durchweg gute Laune ausstrahlt und immer ein sicherer Treffer ist, wenn man die Musik so wie hier technisch hochkarätig darbietet. Schon ungewöhnlich, sechzehn Musiker ohne erkennbare Leitung miteinander spielen zu sehen!

Felix Klieser, Foto: Karlheinz Krämer

Anschließend kam der Hornsolist Felix Klieser auf die Bühne und spielte das dreisätzige Hornkonzert Es-Dur KV 417, gefolgt von einem einzelnen (fragmentarischen) Rondo-Konzertsatz Es-Dur KV 371, der ein „halbes“ Hornkonzert gewesen sein könnte. Das Horn, zu Mozarts Zeiten noch ohne Ventile, klang wunderbar „romantisch“, Felix Klieser hat einen zupackend-direkten Ton, weil er sein Instrument sicher beherrscht. Dabei wird gerade das Horn in Instrumentalistenkreisen nicht ganz zu Unrecht auch „Glücksrad“ genannt … Donnernder Beifall und stehende Ovationen veranlassten den Solisten, eine originelle Rossini-Zugabe zu spielen: „Le Rendez-Vous de Chasse“ für eigentlich vier Hörner plus Orgel, das er für Solo-Horn „eingedampft“ hat.

Die Konzertpause im abendlichen Sonnenschein ließ mich um die Kirche wandern. Außerdem habe ich nun gelernt, wie man in Ostfriesland Weinschorle definiert: Ein volles Glas Wein mit einem Schuss Mineralwasser …

Mozart pur: Volker Jacobsen und Ulf Schneider

Mozart pur hieß es später auch bei Volker Jacobsen und Ulf Schneider, Foto: Karlheinz Krämer

Die zweite Konzerthälfte hielt die dreisätzige Sinfonia concertante Es-Dur KV 364 (320d) bereit – ein Musikstück, für das ich jederzeit weite Wege zu fahren bereit bin: “Hier ist Mozart ein großartiges Meisterwerk gelungen – eine seltene Mischung aus musikalischer Raffinesse, originellen Einfällen, großer Stimmungsbreite und persönlichem Tonfall.“ (Zitat aus dem Programmheft). Den beiden Solisten Ulf Schneider (Violine) und Volker Jacobsen (Viola) war die Freude am gemeinsamen Spielen mit dem Kammerorchester anzumerken, sie warfen sich gegenseitig und untereinander quasi die Bälle zu. Der elegische Mittelsatz gelang dabei am feinsten, aber auch die Ecksätze mit ihren streckenweise durchaus virtuosen Passagen hatten jederzeit Esprit und machten einfach Spaß. Wiederum donnernder Applaus, standing ovations und eine originelle Zugabe: Aus dem Mozart-Duo KV 424 für Violine und Viola gab es den Mittelsatz (Andante cantabile), ein weiteres Kleinod des großen Komponisten.

Sehr schön war der Moment, nachdem die beiden Solisten sich zum wiederholten Male beim mehr als „nur“ begleitende Kammerorchester bedankten und es ebenfalls am Beifall teilhaben ließen: Die Prager spielten eine hübsche kleine Orchester-Zugabe von Gluck, ein Allegretto aus einer Ballettmusik, komplett pizzicato vorgetragen von den zwölf Streichern.

Damit war das Konzert in Weener leider schon vorbei, und der Heimweg stand bevor. Auf nach Hamburg, und an der Planung der beiden Langen Nächte in Aurich habe ich dann noch bis weit nach Mitternacht herumgewerkelt – was man tunlichst unterlassen sollte, wenn man am Folgetag frühzeitig in den profanen Arbeitsalltag eintauchen muss …