Daniel Hope und Matthias Kirschnereit – ein Spagat zwischen musikalischer Finesse und menschlicher Nähe

Daniel Hope in der Auricher Lambertikirche, Foto: Karlheinz Krämer

Eine Woche ist es nun her, seit Daniel Hope uns ein weiteres Mal bei den Gezeitenkonzerten beglückt hat. Bis vor wenigen Wochen war mein Erstwohnsitz in der Kulturstadt Leipzig, wo ich studiert habe. Jede Woche gab es wirklich wunderbare Konzert im Gewandhaus zu Leipzig oder der Musikhochschule, wunderbar inszenierte Opern im Opernhaus am Augustusplatz oder kleinere musikalische Veranstaltungen in Kirchen, WGs oder Pubs. Alles was ich mitnehmen konnte, konsumierte ich förmlich, da ich diese Vielfalt aus meiner Kindheit in Ostfriesland nicht kannte. Gerade die Orchestermusik berührte mich sehr. Von der anfänglichen fast naiven Begeisterung wuchs mit der Zeit auch eine strenge Konzertkritikerin in mir heran. Es brauchte mehr als exzellente Technik oder sehr virtuose Stücke um mich zu begeistern. Ich wollte mitgerissen werden, erwartete, dass mich die Musik innerlich wirklich berührt. Gerade an Violinkonzerte, habe ich als Geigerin sehr hohe Ansprüche an die Musiker. An einer Hand kann ich die Konzerte mit Geigern abzählen, die mir wirklich in Erinnerung geblieben sind und am vergangenen Montag haben Matthias Kirschnereit und Daniel Hope genau dies geschafft – mir wurde ein Konzert geschenkt, welches mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Weiterlesen

Keep calm and listen to Daniel Hope

Daniel Hope und Sebastian Knauer spielten vor 650 Gästen ihr Gezeitenkonzert "YehudiMenuhin@100"

Daniel Hope und Sebastian Knauer spielten vor 650 Gästen ihr Gezeitenkonzert „YehudiMenuhin@100“

Hallo, ich lebe auch noch! Die letzte Gezeiten-Woche musste ich leider auslassen, da ich mit dem Landesjugendchor Niedersachsen unsere Konzerte im September bei den Nds. Musiktagen vorbereitet habe. Nach einer Woche im Kloster Michaelstein (Blankenburg) und der Landesmusikakademie in Wolfenbüttel kam ich etwas hungrig (in Sachsen-Anhalt sind die Kartoffeln rationalisiert) und mit kreiselnden Ohrwürmern von Rautavaara, Monteverdi und Vaughan Williams zurück.

Auf mich wartete mein persönlicher Höhepunkt in diesem Jahr: Daniel Hope, hier bei uns in Ostfriesland. Kaum ein Gezeitenkonzert war so signifikant mit einem Namen im Vorverkauf verbunden: Werden die Konzerte oftmals „Leer“ oder ganz verwirrend „Christuskirche“ genannt, hieß dieses Konzert nur „Daniel Hope“ Für den bin ich vor zwei Jahren nach Groningen gefahren, es war ein unvergesslicher Abend. Korngolds Violinkonzert in der ersten Konzerthälfte, gefolgt von Brahms´ dritter Symphonie mit dem wunderbaren Noord Nederlansk Orkest. Die verhauene Matheklausur am Tag danach und die drei Stunden Heimfahrt wegen einer gesperrten Autobahn nimmt man da doch gerne in Kauf.

Gestern war unsere Anreise nicht ganz so lang, es sind nur 300 m vom Festivalbüro zur Lambertikirche, die ein kleines Raumwunder ist. 650 Menschen hätte ich der äußerlich gar nicht so großen Kirche eigentlich nicht zugetraut. Doch alles war möglich, der Einlass lief glücklicherweise ohne Tumulte und Massenpanik ab, und die Gäste, die auf Hörplätzen oben auf der Empore saßen, konnten Dank der Übertragung das Geschehen auf der Bühne auch überblicken. Ich hatte das große Glück, auf einem unbesetzten Presseplatz zu sitzen, also konnte ich alles sehen, den Geiger, den Pianisten, die Füße des Pianisten und das iPad. Daniel Hope spielt nicht etwa aus Papiernoten, sondern benutzt ein Tablet, bei dem er mit dem Fuß blättern kann. Sehr praktisch, aber die Pedale sind fürchterlich klein, ich würde bestimmt ständig zurückblättern. Weiterlesen